| "Der Schmerz ist das Glück
der Seligen", hat der deutsche Schriftsteller Ludwig Börne
vor weit mehr als einem Jahrhundert einmal gesagt. Auf diese
höchst zweifelhafte Art von Glück wollen Sie sicher
gerne verzichten. Dennoch sollten Sie von Glück reden,
dass es überhaupt Schmerzen gibt. Sie sind nichts anderes
als die Warnzeichen des Körpers, die uns auf eine Störung
unserer Gesundheit oder sogar auf eine Krankheit aufmerksam
machen.
Dazu hat unser Organismus ein Alarmsystem aufgebaut - mit
über drei Millionen "Schmerzantennen", die
über den ganzen Körper verteilt sitzen und jede
Störung, etwa eine Entzündung oder eine Verletzung,
unverzüglich an das Gehirn melden. Unsere Schaltzentrale
entscheidet dann, ob und wie heftig wir Schmerzen verspüren.
Der Organismus verlässt sich allerdings nicht allein
auf seine Schmerzantennen. Er hat gleich zwei weitere Sicherungen
in das Alarmsystem eingebaut, damit auch tatsächlich
alle Schädigungen registriert und entsprechende Gegenmaßnahmen
ergriffen werden können.
Sicherung Nummer eins: Werden irgendwo in unserem Körper
Zellen durch Verletzung oder Entzündung geschädigt
oder gar zerstört, dann werden an dieser Stelle sofort
spezielle chemische Substanzen freigesetzt, deren Aufgabe
es ist, die Schmerzantennen so zu "sensibilisieren",
dass sie Schmerzsignale ans Gehirn melden. Diese hormonähnlichen
Signalstoffe nennen die Mediziner deshalb auch Schmerzmediatoren
oder -botenstoffe.
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Sicherung
Nummer zwei: Im Falle einer Verletzung oder Entzündung
werden aus der geschädigten oder zerstörten Zelle
bestimmte ungesättigte Fettsäuren freigesetzt, aus
denen sich - schon Sekundenbruchteile nach der Schädigung
- andere Signalstoffe bilden: die so genannten Prostaglandine.
Deren Aufgabe ist es, die Schmerzmediatoren dazu zu bewegen,
ihrerseits die Schmerzantennen noch stärker zu erregen.
Die Folge: Unser Gehirn wird geradezu mit Schmerzimpulsen bombardiert.
Diese Prostaglandine bezeichnet man des-halb auch als Schmerzaktivatoren.
Um Schmerzen wirksam zu lindern oder ganz auszuschalten,
müsste es also darauf ankommen, die Produktion dieser
"Schmerzverstärker" zu verhindern. Der Wirkstoff
von Aspirin®, die Acetylsalicylsäure (ASS), kann
genau das. Er hemmt die Prostaglandin-Synthese im Körper
und bewirkt, dass sich die Zahl und Stärke der an das
Gehirn weitergeleiteten Reize drastisch verringert - der Schmerz
lässt nach.
Salicylsäure gehört zu den ältesten Schmerzmitteln
der Menschheit. Auch ihre pharmazeutische Weiterentwicklung
zur verträglicheren Acetylsalicylsäure liegt mittlerweile
schon über 100 Jahre zurück. Auf der Suche nach
einem wirksamen Rheumamittel gelang es dem Bayer-Chemiker
Felix Hoffmann am 10. August 1897 zum ersten Mal Acetylsalicylsäure
in chemisch reiner und stabiler Form herzustellen. Kurze Zeit
später kam diese unter der Bezeichnung Aspirin® in
den Handel. Sie war das erste wichtige Medikament, das als
Tablette angeboten wurde. Wohl kaum ein anderer Wirkstoff
ist so bekannt, so weit verbreitet, so intensiv untersucht
und so wenig angefochten wie die Acetylsalicylsäure.
Selbst extrem kritische Stimmen bezeichnen Aspirin®, das
heute in mehr als 80 Ländern der Welt als Marke der Bayer
AG erhältlich ist, als Schmerzmittel der Wahl.
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